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Umbau und Sanierung Rathaus Frankfurt / Oder

Realisierungswettbewerb mit vorgeschalteten Auswahlverfahren mit Andreas Schwarz 2015 | 1.Preis

Realisierungswettbewerb mit vorgeschalteten Auswahlverfahren mit Andreas Schwarz 2015 | 1.Preis

Das Rathaus in Frankfurt/Oder ist durch verschiedene Bauphasen unterschiedlicher Epochen bestimmt. Der älteste Bauteil stammt aus dem 13.Jh., welcher 1913 maßgeblich erweitert wurde. Beide Bauphasen prägen heute das Erscheinungsbild des Rathauses im städtischen Raum.
Nach Kriegszerstörungen, mit veränderter Dachlandschaft wiederaufgebaut, wurden in den 1970er Jahren umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. In diesem Zuge wurde, ausgehend von einer städtebaulichen Neuausrichtung, der Haupteingang zum südlichen Marktplatz hin orientiert. Die Neuorganisation der Erschließung und die Schaffung zusätzlicher Nutzfläche im Dachraum waren maßgeblichen Eingriffe in die Gebäudestruktur.
Gegenstand des Wettbewerbs ist, neben der energetischen Sanierung der Gebäudehülle und der Erneuerung der haustechnischen Anlagen, die Schaffung der Barrierefreiheit im gesamten Gebäude. Gleichzeitig gilt es, die Lage der verschiedenen Nutzungsbausteine zu prüfen und schlüssig zu strukturieren. Für diese Maßnahmen ist ein Masterplan in Bauabschnitten zu entwickeln.

Das Rathaus ist der zentrale Ort, an dem die Belange der Stadt ausgehandelt werden – das Rathaus ist Ausdruck einer demokratischen Kultur, die durch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt getragen wird. In diesem Sinne ist das Rathaus als ein Bürgerhaus zu verstehen, ein Ort des Gemeinwesens. Die erforderliche Sanierung des Rathauses bietet die Chance, diese ursprüngliche Bedeutung des Gebäudes wieder in den Vordergrund zu stellen und das Gebäude als offenes, lebendiges Bürgerforum zu entwickeln. Vor allem der Gebäudeteil aus dem 13. Jh. mit seinen beeindruckenden Gewölbekonstruktionen bietet hervorragende Vorrausetzungen für die Akzentuierung der öffentlichen und repräsentativen Aufgaben des Gebäudes.
Ziel des Entwurfs ist es diese in der historischen Bausubstanz angelegten Potentiale zu aktivieren und in seinen Teilen zu einem Ganzen zusammenzuführen, um damit dem Gebäude eine neue Lesart zu verschaffen.

Ausgangspunkt des Entwurfskonzeptes ist die Umwandlung des ehemaligen Wirtschaftshofs zu einem Atrium, was den Rückbau der bestehenden Hofüberdachung über dem Erdgeschoss voraussetzt. Foyer und Atrium werden auf diese Weise ebenengleich zu einer räumlichen Einheit verbunden. Das mit Oberlichtern perforierte Atriumdach wird auf der Ebene über dem 2. Obergeschoss eingebracht.
Mit diesen baulichen Interventionen erhält das Gebäude eine neue Zentrierung - das Atrium wird als zentraler Raum des Rathauses entwickelt und übernimmt die Aufgabe des Verteilers:
Eine großzügige Treppenanlage stellt die Haupterschließung für das 1. und das 2. Obergeschoss dar. Das bereits sanierte Bürgeramt wird ebenfalls an das Atrium angebunden , welches in diesem Fall als erweiterter Wartebereich dienen kann. Durch die Öffnung und Wiederherstellung der bestehenden Bögen in der Wand zum Westflügel wird die Ausstellungs- und Veranstaltungshalle an das Atrium angebunden, die damit eine neue Foyer- und Zugangssituation erhält.

In der Schnittfigur des Gebäudes werden zwei Raumebenen akzentuiert: Ddas Erdgeschoss als Eingangsebene und das 2. Obergeschoss als öffentliches Saalgeschoss mit den Versammlungsräumen, den Räumen für den Bürgermeister sowie dem Trausaal. Das 1. und das 3. Obergeschoss dienen als Zwischengeschosse überwiegend für Büro- und Verwaltungsfunktionen.
Mit dieser Betonung des 2. Obergeschosses wird die Lesbarkeit der durch das historische Rathaus vorgegebenen Gebäudestruktur herausgearbeitet, sowie die Orientierung im Gebäude übersichtlich strukturiert. Um das repräsentative Saalgeschoss in der Schnittfigur hervorzuheben, wird im Atrium eine umlaufende Galerie eingefügt, die an die verschiedenen Höhenniveaus des Gebäudebestands anschließt. Die Erschließungsbereiche des Saalgeschosses werden über die umlaufende Galerie in das Atrium erweitert und in diesem zusammengeführt. Gleichzeitig gelingt damit die barrierefreie Verbindung aller Raumbereiche auf dieser Ebene.



Team Katharina Feldhusen, Ralf Fleckenstein, Andreas Schwarz als ffs Architekten, Berlin
Mitarbeit Matthias Hanzlik
Tragwerk 2bplan, Berlin
TGA HDH Ingenieure, Berlin
Bauphysik bauhoch2 / Juliane Nisse, Berlin